5.Dezember 2002

Das Geschenk vom Nikolaus

Nach dem Nikolauseinzug in Hauzenberg und den Ansprachen auf der Krenn-Bräu-Treppe gehen wir Nikoläuse immer durch die Zuschauerreihen und beschenken die Kinder mit Süßigkeiten.
Mein gut gefülltes Stoffsäckchen war schnell leer und so ging ich zurück zum Stemplinger Hansl.
Auf Höhe Marienbrunnen sah ich einen kleinen Buben von ca. fünf Jahren mit seiner Mutter stehen. Dicke Tränen rollten über seine Wangen. Da er mir Leid tat ging ich auf den Buben zu und sagte zu ihm:
„Du brauchst doch keine Angst vor dem Nikolaus zu haben, wir sind doch die Freunde aller braven Kinder.“
Da der Bub vor lauter Weinen kein Wort hervor brachte, antwortete mir seine Mutter:
„Nikolaus, mein Bub weint nicht, weil er Angst vor dir hat, sondern vor Enttäuschung darüber, weil alle Nikoläuse an uns vorüber gingen, alle Säckchen leer waren und er nichts abbekommen hat.“
Nun war sogar ich als Nikolaus gerührt, habe kurz nachgedacht und sagte dann zu dem Kleinen:
„Schau, ich habe zwar keine Süßigkeiten mehr, aber ich habe was viel Wertvolleres für dich,“ und überreichte ihm das leere Stoffsäckchen: „Dieses Säckchen hat mich, den hl. Nikolaus, zehn Jahre lang begleitet, nun aber gehört es dir. Schau mir gut drauf auf !“
Der kleine Bub nahm es in die Hand, schaute es mit großen Augen an, schmiegte sich an seine Mutter, und wieder kullerte eine dicke Träne über seine Wange. Doch dieses Mal war es eine Freudenträne.
Ich verabschiedete mich von dem Buben und ging weiter Richtung Stemplinger Hansl.
Es hat zwar keiner gesehen, aber auch über die rot geschminkte Wange vom Nikolaus kullerte eine kleine Träne.